Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins wie erwartet bei null Prozent belassen, kündigte jedoch an, den Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken genau zu beobachten.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gab am Donnerstag ihre Entscheidung bekannt, die Zinsen bei null Prozent zu belassen. Dieser Schritt, der von Finanzanalysten weitgehend erwartet wurde, erfolgt, während die Zentralbank weiterhin aufmerksam auf Anzeichen einer Stärkung des Schweizer Frankens bleibt.
SNB-Präsident Martin Schlegel bemerkte während einer Pressekonferenz in Bern, dass der Nahostkonflikt, der Ende Februar begann, zu einem weltweiten Anstieg der Energiepreise und folglich zu einer höheren Inflation geführt habe. Schlegel hob jedoch hervor, dass die Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Nationen einen geringeren Inflationsanstieg erlebt habe.
Aktuell liegt die Schweizer Inflation bei 0,6 Prozent, was Schlegel als «relativ niedrig nach internationalen Standards» und «innerhalb des Bereichs, der mit Preisstabilität vereinbar ist» bezeichnete – ein Bereich, den die SNB zwischen null und zwei Prozent definiert. Die Zentralbank erwartet einen leichten Anstieg der Inflation in den kommenden Quartalen, bevor sie voraussichtlich wieder sinken wird.
Die SNB beließ auch ihre Wirtschaftswachstumsprognosen unverändert und prognostiziert rund ein Prozent für das laufende Jahr und etwa 1,5 Prozent für 2027. In ihrer offiziellen Erklärung bestätigte die Bank die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft trotz des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten.
Der Schweizer Franken gilt als bedeutender sicherer Hafen, ähnlich wie Gold, deutsche Anleihen oder der japanische Yen, und zieht Investoren in Zeiten geopolitischer Spannungen oder wirtschaftlicher Unsicherheit an. Schlegel erklärte, dass der anfängliche Aufwärtsdruck auf den Franken nach Ausbruch des Konflikts zunahm, da Investoren Sicherheit suchten, dieser Druck sich jedoch seither leicht zurückgebildet habe.
Er führte diese Entspannung auf steigende Zinsen in wichtigen Währungsräumen zurück, die die Differenz zu den Schweizer Zinsen vergrößert haben. Dennoch warnte Schlegel: «Die geopolitische Lage bleibt unsicher. Das Risiko eines starken Aufwärtsdrucks bleibt somit bestehen.» Er bekräftigte auch die zunehmende Bereitschaft der SNB, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.
Harry Chambers, Ökonom bei der Londoner Forschungsgruppe Capital Economics, deutete an, dass die SNB die Zinsen «in den nächsten Jahren» voraussichtlich unverändert lassen werde, und betonte, dass der Hauptfokus der Zentralbank «fest auf dem Wechselkurs liegt».